Montag, 27. Februar. Allmählich nähert sich unsere Zeit hier dem Ende entgegen. Dabei sind wir noch nicht einmal eine Woche auf Sumatra. Also ist jetzt vielleicht die letzte Gelegenheit, noch einmal einen Post rauszuhauen. Irgendwie läuft sowieso alles gerade etwas unrund, Pläne werden ständig umgeworfen und jeder ist genervt. Doch der Reihe nach. Etwas seltsam war es schon: Wir saßen im Taxi nach Bukittinggi und es war, als wären wir nur ein paar Tage weggewesen. Reifenwechsel absolviert, Susas Fuß eingeklemmt, dann Hotel und abends ein bisschen Geburtstag feiern, mit lecker Padang-Food. Die große Bauruine auf dem Hügel ist jetzt fast fertig, ein Riesenhotel, fragt sich nur, wo die ganzen Gäste herkommen sollen. Nicht viel los, außer am Wochenende, wenn halb Sumatra und Malaysia hierherkommen. Am Mittwoch sind wir mit dem Motorrad (Boah, wie habe ich das vermisst…) ins Dorf, großes Hallo, lecker Essen, Begrüßungsrunde, Geschenke verteilen, Leute treffen, abends zurück ins Hotel. Am Donnerstag nochmal alle zusammen per übel vollgepropftem Minibus ins Dorf, wieder Begrüßungsrunde gedreht, Alex vorgestellt und ihn abends wieder in den Minibus gesetzt. Geschlafen haben wir im alten Minanghaus bei Dewi, Ibu Ida und Pak Ismet. Irgendwie schliefen um 19 Uhr aber schon alle, außer Pak Ismet, mit dem ich eins von Susannes Formularen ausfüllte, drei Stunden lang, war anfangs anstrengend, dann aber hochinteressant, vor allem die Dinge, von denen er sagte, dass sie auf keinen Fall seine Frau wissen dürfe…
Regen die ganze Nacht, wir schliefen direkt über den Hühnern und Pak Ismet war es dann, der zum Morgengebet rief. Am nächsten Tag tatsächlich noch ein Formular mit Ris ausgefüllt, der das Ganze in einer halben Stunde runter „riss“ – Susanne kommt an die Männer ja nur schlecht heran. Freitagmittag dann mit vollem Darm (auf die öffentliche Toilette bei der Moschee hatte ich keine Lust und bei Ibu Ida war zuviel los…) und Susanne, Nayma und Hennes zum Markt in Pekan Selasa / Pintu Koto, ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann setzte ich mich in den Bus. War ganz nett, irgendwann mussten sich noch zwei verschüchterte Schülerinnen zu mir auf den Vordersitz quetschen und ich ein Bein in den Fußraum des Fahrers stellen, sodass mir der Kollege jedesmal beim Schlaten zwischen die Beine griff, immerhin aber sehr vorsichtig.
Abends dann wieder Padang-Food mit Alex, und danach einige Biere und „Black Hawk Down“ auf Tommys zukünftigem Laptop auf dem Balkon. Den Film (Spannend, aber viehisch) kriegt Al, hoffentlich nur lässt er ihn die Kinder nicht gucken. Mit dem Filme gucken ist das sowieso so eine Sache, irgendwie läuft immer irgendwo der Fernseher und Hennes hockt mit davor, mit Spielen und die Sprache wieder lernen war das nicht so richtig was.
Am nächsten Morgen wollten Alex und ich eigentlich zum Lake Maninjau, aber Hennes hatte die Nacht über gebrochen, sodass wir erstmal ins Dorf mussten und zur Sicherheit Medikamente vorbeibrachten. Von dort fuhren wir dann per Motorbike zum Harauvalley – und hatten Glück, der Regen brach erst fünf Minuten nach unserer Rückkehr nach Bukittinggi los. Hennes möchte natürlich auch gerne nochmal dorthin, allerdings vor allem wegen der Ententretboote, naja und auch der Wasserfälle wegen, dann müssten wir natürlich auch dort übernachten, um abends den Affen beim Spielen mit dem Echo zuzuhören, aber ob wir das noch schaffen? Fraglich… Abends dann in Trinklaune ins Bedudal und endlich schaffte ich das, was ich damals das ganze Jahr über nicht machen konnte: Eine Nacht in Bukittinggi…. Alex trollte sich irgendwann, weil er „die Sprache nicht kann“, Pech gehabt, es sprachen alle Englisch an unserem Tisch. Naja, kaum war er fort, wurden die Gitarren ausgepackt und es wurde fleißig gesungen und getrunken.
Ich sprach Indonesisch mit einer unglaublich schnell sprechenden Französin, die mich irgendwie an meine kleine Schwester erinnerte, griff auch etliche Mal zur Gitarre und blamierte mich natürlich auch ein wenig, weil mein siebartiges Gedächtnis alle Texte schon nach der ersten Textzeile nicht mehr abrufen konnte, im Gegensatz zu den Indonesiern, die alle sehr textsicher waren und musikalisch. Egal, toller Abend. Spielte auch mit einer Frau, die eine tolle Stimme hatte und auch sehr nett war. Ist natürlich so eine Sache: Zwei kleine Kinder, der Kerl wegen Drogen im Knast, da schauen die Damen natürlich, wie sie da rauskommen. Und jeder Westler, der Geld hat, um nach Indonesien zu fahren, gilt natürlich als gute Partie. Aber ich bin schon vergeben.
Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen um sieben in Padang Panjang sein, um der Dampflok bei der Abfahrt zuzusehen, ich hatte mir zwar den Wecker auf halb sechs gestellt, musste ihn aber morgens doch schnell ausmachen, da ich erst um zwei Uhr wieder im Hotel war, wo ich über den Zaun klettern und einen etwas genervten Nachtportier rausklingeln musste. Aber Alex schien auch nicht erpicht auf frühes Aufstehen zu sein… Mit dem Lake Maninjau wurde es natürlich auch nix, weil Netti, ihre vier Kinder (Al blieb zu Hause: Arbeit…), Hennes und Susa ja (für sowas ist nur Sonntags Zeit) nach Bukittinggi kommen wollten, um in den Zoo zu gehen. Puh. Hennes schien es etwas besser zu gehen, aber so richtig schnell kamen sie nicht los, und die Busfahrt dauert ja auch, sodass ich mit Alex schnell zum Sianok Canyon zum Taruko fuhr. Dort trafen wir auch die Sängerin vom Vorabend, die plötzlich eine sehr raue Stimme hatte… Tauschte mit ihr Telefonnummern aus, Hintergedanke: Alex hat keine indonesische Karte im Handy, also könnte ich ihn dort lassen und hätte Kontaktmöglichkeit, in den Zoo mit den Kindern würde er sicher nicht mitwollen und dort kann man gut herumlaufen.
Glaubt mir bloß keiner. Naja, kaum war mein bestellter Ananassaft eingetroffen, klingelte das Handy, die Truppe war am fast am Busbahnhof und Susanne sauer, weil wir nicht in Bukittinggi geblieben sondern in den Canyon gefahren waren. Ich ließ also Alex in netter Obhut, fuhr die sieben Minuten zum Busbahnhof, holte mir dort die erste Standpauke ab, fuhr mit Hennes und diversen Taschen ins Hotel, warf die Taschen ab, fuhr mit Hennes zum Zoo, wo wir die anderen trafen und mir der von den neugierigen Indonesiern genervte Hennes mit Wucht und der Faust ins Gemächt schlug, sodass ich mich erstmal setzen musste. War dann auch etwas genervt, was Susanne total nervte, deren Laune sich auch nicht besserte, als ich einige SMS erhielt, die mich über Alex’ Treiben informierten. Dann brach der Regen los, wir picknickten unter einer Palme und ich versuchte, gut Wetter zu machen, indem ich mit Tommy im strömenden Regen Autan und etwas Kuchen besorgte.
Klappte auch einigermaßen – bis zur nächsten SMS. Naja, irgendwann war der Zoo durch, nicht wirklich meine Veranstaltung, die Tiere wirkten nicht besonders glücklich, ich hatte Kopfschmerzen, aber wenigstens regnete es nicht mehr. Tommy und ich gingen kurz ins Bedudal, um uns bei Facebook zu befreunden, alleine bekam er es nicht hin und es schien sehr wichtig und als ich vorm Bedudal stand, eine Zigarette rauchen und dabei telefonieren wollte, mir stattdessen aber die Zigarette ins Ohr steckte und plötzlich das Handy im Mund hatte, entschied ich, dass ich möglicherweise eine kurze Pause benötige. War gegen vier Uhr. Also fuhr ich Tommy „kurz“ durch Horden nicht Autofahrenkönnender aber es trotzdem tuender Sonntagstouristen zum Jam Gadang, wo er sich noch Schuhe kaufen und die anderen treffen wollte. Dann sank ich darnieder, aber um fünf klopfte es bereits an der Tür: Ich hatte Moly gesagt, dass ich evtl. um fünf mit zur Massage kommen wollte, die Schmerzen sind morgens immer noch etwas unangenehm, ihn aber vorher anrufen würde. Naja, als er meiner ansichtig wurde, hatte er sofort ein Einsehen.
Immerhin war ich nun wieder einigermaßen wach und konnte mich, als Susanne fünf Minuten später anrief, zu den beiden ins Bedudal gesellen. Alex hatte sich in der Zwischenzeit ausgiebig mit der Sängerin unterhalten und ihr auch seine deutsche, allerdings versehentlich falsche, Telefonnummer gegeben, bevor er auf dem Rückweg durch den Dschungel bis zum Bauch im Schlamm versank, diesmal aber seine – neue – Kamera retten konnte und tat abends im Hotel kund, dass er morgen, also heute, mit dem Bus zum Lake Maninjau fahren und dort zwei Nächte bleiben wolle. Theoretisch also Gelegenheit für uns, heute und morgen noch in Ruhe ein paar Dinge in Bukittinggi und im Dorf zu regeln. Heute morgen dann Alex gesagt, dass Hennes und ich demzufolge wahrscheinlich eher gar nicht zum Maninjau fahren würden, worauf er erst etwas beleidigt reagierte, nun doch nicht heute zum Maninjau fahren wollte und schließlich, als ich einige Dinge aus seinem in unser Zimmer transferierte, explodierte und mich nun zwei Tage nicht mehr sehen will.
Auch gut, vielleicht besser so. Und es sind ja nicht nur meine Pläne, die sich täglich ändern… Problem ist nur, dass Honi mir nun immer weiterhin SMS schickt und nach Alex fragt, ob er schon am Maninjau ist, weil sie ihn ja nicht erreichen kann, er mich aber nicht sehen will und ich ihn auch gerade nicht, und Susanne immer so komisch guckt, wenn ich schon wieder eine SMS bekomme. Naja, langweilig ist es wenigstens nicht gerade… Heute früh fuhren wir dann zum Taruko, wo wir allerdings wohl nicht übernachten werden (dürfen), weil die Dorfbevölkerung die Nase wohl voll hat von Weißen, die dort übernachten und das auch noch Männlein und Weiblein, ohne verheiratet zu sein. Schade. Naja „diel Dorfbevölkerung“ werden dann wohl vor allem der Iman und der Dorfchef sein. Egal, Hennes und ich badeten im Fluss und stromerten ein wenig in der Gegend herum
– Honi rief glücklicherweise nur zweimal an, um sich nach Alex zu erkundigen- , während Susanne ein wenig arbeitete und dann fuhren wir Susas alten Laptop abholen. Den sollte unser Dorf, (also eigentlich die Kinder zum Lernen, hoffentlich bunkert ihn nicht der Dorfchef persönlich für sich), als Geschenk bekommen. Im Laden sollten sie statt des deutschen Betreibssystems ein englisches aufspielen, haben stattdessen aber die Kiste kaputtgemacht. Angeblich vorher schon kaputt, (funktionierte allerdings vorher noch tadellos) Chipset zu heiß geworden und nun hin. Auch schön. Stimmung war natürlich im Eimer, nach Versicherung braucht man ja hier gar nicht erst zu fragen, also müssen wir morgen einen neuen besorgen. Danach zurück ins Hotel, wo Hennes uns zur Verzweiflung trieb, bis Susa weggging. Jetzt sitze ich gerade im Bedudal, schreibe dies und gehe auch gleich wieder ins Hotel. Mal schauen, was der morgige Tag so bereithält…






























