Archiv für Juli, 2009

Und weiter geht es…

Veröffentlicht in Unterwegs am 27. Juli 2009 von ratso07

Denn wenn man denkt, es könnte eigentlich kaum noch besser werden, kommt gleich noch was nach. Interessanterweise ist anscheinend seit unserem Auszug aus der Pension Skunk meine andere Geldkarte verschwunden, wie auch die Liste mit den TAN-Nummern (die ich glücklicherweise gescannt hatte). Und zu Susannes Karten sagen sowieso alle Automaten immer nur “falsche Nummer”, obwohl es die richtige ist. Also habe ich vermutlich jetzt nach der Entsperrung zunächst die richtige Nummer eingegeben, und dann, weil der ATM spinnte und sagte, sie sei falsch, solange in Panik andere richtig falsche Nummern eingegeben, bis die Karte wieder gesperrt war. Jetzt warte ich auf die nächste Entsperrung, damit ich das Ganze nochmal versuchen kann, wobei ich mit etwas Glück an einen Automaten gerate, der die richtige Nummer auch als richtig erkennt. Aber Glück ist gerade nicht zuhause. Und erstmal muss ich warten, bis die Banker in Dösland den Auftrag (per E-Mail…) gelesen und bearbeitet haben. Heute hat Susanne drei Banken aufgesucht und dann endlich am Schalter Geld bekommen, damit wir das Hotel bezahlen konnten, dessen Personal uns schon recht misstrauisch beäugte. Gestern nacht viele fette Ratten gesehen, auch im ansonsten netten, sauberen, aber nicht unbedingt von Kindern als Gästen begeisterten Hotel (wie in Deutschland halt, aber eigentlich nicht üblich hier). Hennes ist natürlich die ganze Zeit übel gelaunt und nur am Quaken oder am Dinge demolieren, weil wir etwas gestresst sind und uns nicht richtig kümmern. Gleich hat er uns soweit, der Nervenzusammenbruch winkt schon. Ansonsten ist es wieder viehisch heiß und sämtliche Darmträkte tanzen, warum auch immer, gerade Tango.  Dafür hat das Hotel anscheinend meine Wäsche wieder etwas entstinken können. Und immerhin sind wir wieder im Rumah Teman, wo sich gerade eben eine Art Wasserrohrbruch ereignete. Wollte helfen und machte mich nass. Danach zog ich clevererweise eine neue helle Hose über die (wohl auch nasse) Unterbux, was zur Folge hatte, das ich jetzt aussehe, als hätte ich mir in die Hose gemacht. Naja, bis die Banker soweit sind, (Das ist  schön: Ich sitze hier und warte darauf, dass in Frankfurt einer mit seinem zweiten Frühstück fertig wird – hoffentlich ist er nicht schon zu Tisch – , und auf einen Knopf drückt…) ist die Hose bestimmt wieder trocken.  Oder Hennes hat sie total eingesaut. Kann bitte mal jemand vorspulen? Oder den Film wechseln? Am Samstag hat es übrigens endlich mal wieder geregnet. Gelegenheit, ein Foto zu machen, das die jetzige Stimmung in etwa trifft…Tulip 065

Nachtrag: 18 Uhr. Die Sonne ist weg. Es hat sich abgekühlt. Wind kommt auf. Und Hennes schläft schon. Endlich Zeit zum Durchatmen. Übermorgen geht es schon nach Kuala Lumpur. Und in Frankfurt ist gerade Mittach…

Dies irae

Veröffentlicht in Unterwegs am 25. Juli 2009 von ratso07

Milas 02525. Juli. José* argwöhnte, dass dieser Blog auch von Frauen und Kindern gelesen werde, und versorgte mich deshalb nur per Mail mit einer detaillierten mutmaßlichen Beschreibung dessen, in was er seinerzeit barfuß in unserer WG-Küche trat. Rücksichtsvoll. Bin ich nicht. Wer Frau oder Kind ist, liest jetzt also nicht weiter. Wer sich dessen nicht ganz sicher ist, auch egal, letzendlich sind es ja doch nur Buchstaben… Also los ging es vorgestern abend. Die kleine Kartoffel war soweit wieder ganz fit, drehte sogar wieder einige Runden mit dem Sohn der Wirtin auf dessen Motorrad (alleine wohlgemerkt, und solange, dass Susanne schon einige Sorgenfalten bekam), aber ich war mental so weichgekocht, dass ich dreimal die falsche Pin meiner Kreditkarte beim Geldautomaten eingab. Hauptgewinn… Mal schauen, wann die wieder entsperrt ist. Dafür fiel mir gestern immerhin die Nummer für meine andere Karte wieder ein, die ich ein Jahr lang nicht verwendet hatte, weil zuviel Gebühren, und ich die Geheimnummer immer durcheinanderbrachte. Also haben wir wenigstens noch Geld bekommen, wurde auch knapp langsam.

Tulip 012Gestern mussten wir dann umziehen, haben entsetzlich viel Kram (Wo kommt das alles her? Was ist das? Wie sollen wir das ins Flugzeug kriegen?) auf das Becak von Agnes Mann (mein Namensgedächtnis…) geladen und um die Ecke gebracht. Im Hotel habe ich dann festgestellt, dass die vermaledeite Wirtin die Wäsche zu einem unverschämt hohen Preis zwar endlich gewaschen hatte, aber offensichtlich erst Tage später zum Trocknen aufgehängt hat. Jetzt stinken meine sämtlichen T-Shirts und Hosen stockig. Könnte sie würgen… (Hey, Vicky: It’s not what you think. I’m still feeling quite fine here, it`s only one room (to be exact, its smell) and one person, that annoys me a bit… When it comes to smells, I’m going nuts pretty fast… Musses from Hennes & Susa ;-) Naja, sollte ich alles wegwerfen müssen, haben wir wenigstens wieder Platz für Gepäck. Abends wollten wir dann ja mit Kleinmann zum Konzert. Davor trafen wir Elliot, der aber Elton heißt (Mein Namensgedächtnis… Dabei habe ich ihn einen ganzen Abend lang mit Witzen über Elliot, das Schmunzelmonster und mit der hilfreichen Information, dass T.S. Eliot ein Anagramm für “Toilet” ist gepeinigt, und nun das…) Im Via Via war alles voll mit blasierten Arschnasen (We are waiting for some friends…), einige Tische waren seit Stunden reserviert, aber immer noch unbesetzt. Hennes setzte sich zwar gleich vor die Sängerin und zerlegte ein Backgammonspiel, schien sich also ganz wohl zu fühlen, wir aber nicht und suchten also schnell das Weite. Um Aufruhr unter den Truppen (Ich will was essen! Ich will nicht schon wieder zu Tatne Lies!) im Keim zu ersticken, suchten wir ein teures Restaurant am Wegesrand auf. Auch hier alles voll mit Touristen, größtenteils eine Art alphabetisierter Lemuren, die nicht in der Lage waren, ihr Essbesteck adaequat zu halten, geschweige denn zu benutzen. Der Holländer am Nebentisch aß laut Susanne “wie ein Schwein”. Während wir auf das Essen warteten (Pizza…), erkletterte Hennes eine vor dem Resto geparkte wunderschöne alte cremeweiße Vespa und forderte mich auf: “Steck da mal Geld rein!” Interessanterweise bekamen wir dann beide das total falsche Essen, aßen es aber trotzdem, ersparten uns den Hinweis, dass sie ein Bier zuwenig berechnet hatten und trugen den schlafenden Hennes nach Hause, natürlich nicht, ohne uns unterwegs gegenseitig die Hölle heiß zu machen.

Tulip 039Im Hotel hatte Hennes übrigens vorher noch ein Glas Orangensaft in eine frisch angebrochene offene Zigarettenschachtel gekippt. Als Hennes verstaut war, (vorher bekam er natürlich noch einen hysterischen Asbruch beim Hinlegen und wir beinahe auch) versöhnten wir uns und tranken noch ein Gläschen Bier aus Bali am Pool. Dabei durften wir mitanhören, wie ein Australier weit fortgeschrittenen Alters sich vor seinem Hotelzimmer sitzend äußerst geräuschvoll Rotz und Klumpen aus der Lunge hochzog. Es ist wahr, man erlebt selten, dass Frauen dermaßen eklig sind. Es klang gegen Ende hin, als versuchte er, etwas tief im Darm sitzendes durch die Nase hochzuziehen. Vielleicht sogar seine Hühneraugen? Bevor Susanne ein “Gespräch” mit dem Mann beginnen konnte, wurde sie zum Glück müde und ging schlafen (Theoretisch weiß sie zwar, wie Emotionsregulation funktioniert, kann es aber nicht anwenden. Ich übrigens auch nicht. Denn wenn ich mal nicht sofort hochgehe, sondern Taktiken anwende, um mich selbst runter zu regeln, (also ganz ruhig und langsam spreche – wie mit einem Halbidioten eben) machen diese mein Gegenüber sofort überaus aggressiv. Und wenn Hennes übel drauf ist, (Freund Åke*  versorgte mich übrigens neulich mit der Info, dass sein kleiner Sohn beim Besuch eines Bauernhofes mit Begeisterung “Schweinen gegen den Kopf getreten” habe – kommt mir irgendwie bekannt vor…) kann man sowieso alle Theorie vergessen.) Zusammenfassend muss man also sagen, dass der gestrige Tag nicht so der Hit gewesen ist. Dafür haben wir eben ein leckeres Frühstück auf der kleinen Terrasse vor unserem Prima Zimmer genossen und Susa und Hennes sind bereits im Pool.

Tulip 049Und im Kühlschrank wartet eine Flasche Wodka, die ich gestern nachmittag unter hoch konspirativen Umständen erstehen konnte, dank meiner nahezu formidablen Sprachkenntisse und investigativen Fähigkeiten. Ich könnte mittlerweile sogar Sachen sagen wie “in Erbrochenem schwimmen”, falls es die Situation jemals erfordern sollte. Man kann ja nie wissen. Allerdings muss man beim Basteln von Verben aus Adjektiven oder Substantiven mittels Prä- und Affixen etwas aufpassen. Manchmal entstehen Wörter, die genau gleich geschrieben, aber unterschiedlich ausgesprochen werden (sollten). Ein solcher Fall ist “memerah”. Bedeutet “Erröten” oder halt “Melken”. Meine eifrigen Versuche, aus genau diesen Wörtern einen Beispielsatz zu bilden, wurden von allen meinen vier übrigens ganz reizenden Lehrerinnen bislang aber gestenreich abgewehrt. Hey, da kommt der Zeitungsmann. Und es wird Zeit für den Pool. Bis demnächst.

*(Namen von der Redaktion geändert)

Bombenstimmung…

Veröffentlicht in Unterwegs mit den Tags , , , , am 23. Juli 2009 von ratso07

Milas 00723. Juli. Puh. Harte Nacht. Los ging es gestern nachmittag, als Hennes krank vom Kindergarten zurückkam, morgens hatte er schon leichten Dünnpfiff. Also den glühenden kleinen Mann per Taxi zurück ins Losmen verfrachtet und ein Zäpfchen reingesteckt. Ging eine Weile gut, zwischendurch charterte er auch ganz alleine ein Becak (Susanne kam zum Glück um die Ecke, als sie gerade wegfuhren), abends jedoch bekam er 40 Grad Fieber und war nur noch ein Schatten seiner selbst. Also kalte Wickel ohne Ende mit einem von der Wirtin geborgten Handtuch, einem meiner T-Shirts und jeder Menge Eis. Und versucht, ihm Trinken einzuflößen, was mithilfe kalter Cola auch gelang. Dann, während auf dem Nachbargrundstück hinter hohen Mauern ein Jazzdozent mit einer aus seinen Studenten bestehenden Bigband Geburtstag zu feiern begann, zeigte das nächste Zäpfchen langsam Wirkung. Leider hat das Paracetamol Hennes  dann aber total fit gemacht, was zur Folge hatte, dass er, mit seiner Mutter im Pyjama im Schlepptau, noch das Jazzkonzert besuchte, wo sie für einiges Aufsehen sorgten. Und bis zum Schluss blieben.

Milas 028 Gegen 23.30 Uhr war er dann endlich wieder im Bett, zog sich aber nachts die Windel aus (“Ich musste einen Pups machen”) und pinkelte ins Bett, was wir mit einem abends noch zum Duschen geborgten Handtuch abdeckten, sodass wir jetzt also wieder keine Handtücher mehr haben. Aber morgens gibt es eh meistens kein Wasser hier… Kindergarten ud Schule fallen also heute aus, dafür traf ich gestern Mas Andi, der mir erzählte, dass die Hausbesitzer vom 27. Juli bis zum 3. August wegfahren. Heute habe ich also fleißig gesimst (auf Indonesisch wohlgemerkt) und wir können jetzt vom 27. bis zum 29. Juli nochmal im Rumah Teman übernachten (Innerhalb des Hotels hätten wir ja sowieso nochmal umziehen müssen) – vielleicht bekommen wir dann sogar nochmal Tempe Goreng von Ibu Har…  Heute scheint das Gröbste überstanden zu sein, wenn heute nacht alles gutgeht, gehen wir morgen wieder zur Schule…

Milas 042PS. Dass Manchester United ihre Reise nach und ihr Freundschaftsspiel gegen Indonesien wegen der Bombenanschläge abgesagt haben, allerdings dennoch in Malaysia spielen, wo doch der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge Malaie ist, macht hier natürlich einige Leute richtig sauer…

In Malaysia haben sie gerade ein Frau zu Hieben verurteilt, weil sie in einem Nachtclub Bier gertunken hat. Bald fliegen wir nach Kuala Lumpur – hm, wo liegt das eigentlich?

Überlege gerade, wenn ich islamistischer Terrorist wäre, ob ich dann nicht in einem Land, wo Kindergärten und Universitäten hohe Gebühren kosten, freie Kindergärten und Universitäten anbieten würde. Hätte man bestimmt kein Problem, Nachwuchs zu rekrutieren. Ob es wohl in Europa ein Land gibt, in dem Leute ohne Geld keinen freien Zugang mehr zu Universitäten haben? Hm…

Wenn ich schon nicht zur Schule gehen kann, versuche ich dochmal, ein paar Songs runterzuladen, solange der Hyperaktivist mit seiner Mama Fotos abholt. Der hier läuft öfter im Milas. Und auf den hier bin ich schon seit 20 Jahren erpicht. Boah, es klappt. Ein ungarischer Hit aus den 6oern, und das in Indonesien… Es lebe das Internet!

Der Tag des Propheten

Veröffentlicht in Unterwegs mit den Tags , , , , , am 20. Juli 2009 von ratso07

Borobodur 05820. Juli. Ok. Feiertag also. Zwei Tage frei, was zur Folge hatte, dass ganz Indonesien nach Yogya pilgerte. Was wir allerdings erst registrierten, als wir, wie so oft, bei Tante Lies speisten und feststellten, dass ein Reisebus noch dem anderen sich durch die Jalan Parangtritis quälte. Enorm. Die Abgase hätten uns beinahe sofort gekillt, außerdem kam Hennes natürlich genau an diesem Abend auf die glorreiche Idee, seine Abstecher auch auf die Straße auszudehnen. Nun ja, wenig Spaß gehabt an diesem Abend. Auch unser Losmen war komplett ausgebucht.

Lia 217 Eigentlich ist heute islamischer Feiertag gewesen, wie erwähnt, die Himmelfahrt des Propheten, aber ich glaube, es sind einfach alle nur alle nach Yogya gefahren zum Shoppen. Gut, in der Moschee bin ich nicht gewesen, aber es schien doch eher für 99 Prozent der Bevölkerung ein verlängertes Wochenende gewesen zu sein. Hier war dann also jemand aus Lombok (muss auch schön sein), der für die zwei Tage mal eben rüberflog und eine Famile aus Semarang. Mit dem aus Lombok (arbeitet für die Regierung) plauderte ich gestern abend solange (immerhin auf Bahasa), bis der aus Semarang sich beschwerte. Wir saßen leider direkt vor seiner Zimmertür, und der Pensionswirt saß auch bei uns und half mir beim Biertrinken, da Susanne schon müde davongeschlichen war… Kann es sein, dass die Sozen gerade die Nerven verlieren und Mrs Merkel einen den indonesischen Verhältnissen ähnlichen Wahlsieg anpeilt? Meine Informanten berichten, Westerwelle habe sich einen neuen Anzug gekauft. Das will nichts Gutes heißen… Aber zunächst wohl nicht mein Problem und Krise ist ja sowieso. Hier scheinen sie übrigens aus ihrer Krise Ende der 90er ein bisschen gelernt zu haben, jedenfalls scheint es (noch) nicht so schlimm zu sein. Wenn nicht der nächste Irre eine Bombe baut – die Schweinegrippe zumindest haben die derzeit noch in Scharen kommenden Touris jedenfalls schon eingeschleppt. Dafür haben sie (noch) keine Atomkraftwerke hier…

Die Polizei untersucht offensichtlich gerade, ob der Überfall auf einen Geldtransporter vor zwei Wochen in Jakarta zur Unterstützung der Hinterbliebenen der Attentäter gedacht war und die scheinen ihren Kram peu a peu ins Hotel gebracht und auf ihrem Zimmer zusammengebaut zu haben. Scheint sonst aber alles ruhig zu sein, in Jakarta und Bali scheinen mehr Sicherheitskräfte unterwegs zu sein, ansonsten gehen alle Shoppen. Nur wir nicht, da ohnehin schon zuviel Gepäck. Die letzten Tage tauchten morgens immer die ersten Kinder aus der Nachbarschaft auf, um mit Hennes ihm seinen Memory (Sorry, aber der Apostroph hinter dem s sieht auch nicht besser aus) zu spielen.

Lia 059(Hm, ist gerade so ruhig hier, Susanne wird doch nicht beim Hennes legen eingeschlafen sein? Moment mal.) Ah, da kommt sie schon. Meine Blume. Und isst unser Frühstück für die Schule morgen. Na toll. Ansonsten waren wir gestern und heute ausgiebig dann doch im Swimmingpool, haben zwar nicht genug gelernt, aber uns ein wenig erholt.

Lia 185Beim Abendessen mit dem schlafenden Hennes auf den Schößen Folgendes gesehen: Gegenüber will eine alte Dame ihren Müll rausbringen. Ein dunkelhäutiger Zwerg durchwühlt aber gerade ihre Tonne und isst erstmal, was er dort gefunden hatte. Also fegt sie stattdessen und wartet. Währenddessen kommt ein chinesisches Pärchen vorbei, was nun von dem Mann mit dem Essen aus Müll beworfen wird. Alle gehen weiter, die Frau leert ihren Müll aus und verschwindet im Haus. Seltsam…

Morgen beginnt der Endspurt: Täglich 4 Stunden Unterricht, Freitag nochmal umziehen (ins Hotel), am 29. dann in den Flieger. Würde zwar gerne noch bleiben, aber hilft ja nix. Vielleicht kommen wir vor der Rückreise ins Autoland nochmal her. Gut. Das soll es für heute gewesen sein. Morgen müssen wir wieder früh raus und ich muss noch eine Mehl schreiben – ist ja jetzt easy …

Im Bauch der Stadt

Veröffentlicht in Unterwegs mit den Tags , am 18. Juli 2009 von ratso07

Borobodur 04718. Juli. Ah. Was doch so ein Raumspray alles ausrichten kann… Nachdem diejenigen aus unserer Gruppe mit der niedrigsten Schmutztoleranz ein Weilchen mit diversen Reinigungsmitteln zugange waren, sieht die Welt schon wieder ganz rosa aus. OK, der Dreck ist nicht weg, aber der Geruch… Wobei ich sagen muss, dass es in meiner alten WG an manchen Orten auch nicht besser aussah – was natürlich nicht an mir lag… Jedenfalls sind jetzt wieder alle glücklich, Hennes war es eh egal und er findet es sowieso großartig, weil wir jetzt noch näher an den anderen Kindern dran sind. Trotzdem, einmal müssen wir noch umziehen und dann doch leider weiter. Schade, irgendwie beginne ich gerade, mich richtig heimisch zu fühlen, die Gespräche werden komplexer, das Handeln mit den Becakfahrern klappt auch besser und Tante Lies verriet mir gestern abend, dass ich, wenn ich die leeren Flaschen wieder zurückbringe, dann Geld dafür bekomme. Hennes hat heute morgen für uns den Kaffee bestellt, den Bus bezahlt er sowieso immer, gestern wollte er allerdings überhaupt nicht aufstehen und tobte den ganzen Weg zum Bus. Kräftiger Bursche, war schweißgebadet hinterher. Gestern habe ich im Via Via ein Jazzkonzert besucht – großartige Musiker, alle so Mitte 20 und ordentlich dabei – und durfte mir sogar ein Lied “auswünschen” (Hennes). My favourite things… Sängerin war auch dabei, sehr gut mit Scatgesang vom Feinsten.

Jazz 033 Obwohl es natürlich irgendwie komisch ist, wenn eine 1,50 Meter große Indonesiern “I’m an Englishman in New York” singt. Egal, war schön, und mein erster freier Abend in Indonesien, habe aber dennoch nur zwei Bier geschafft und war um 11 Uhr schon auf dem Heimweg. Susanne konnte derweil beobachten, wie die Nachbarin auf der Terrasse von einer traditionellen Heilerin behandelt wurde.  Eben gerade habe ich mich kommunikationstechnisch mordsmäßig aufgerüstet mit einem (GPS?) Modem, so dass ich jetzt immer und überall und hoffentlich auch auf Sumatra ans Zwischennetz komme. Wenn ich denn Zeit und Lust habe. Nicht so ganz billig, aber musste doch sein, diese elend langsame Verbindung in der Schule kostete doch viel Nerven und immer in irgendwelche Cafes mit Hotspot pilgern kostet auch Zeit und Geld. Vielleicht sollte ich damit nochmal ICQ und Skype ausprobieren. Gestern erstand Susanne einen Badeanzug, den sie auf Sumatra vermutlich kaum benutzen können wird, aber der Swimmingpool des Tulip lockt.  Sobald unsere Herbergsmutter unsere neuen Handtücher aus der Wäsche zurückgebracht hat (sie ist nicht die Schnellste und im Gegensatz zu den anderen Gästen haben wir auch keine Handtücher bekommen), machen wir vielleicht mal einen kleinen Abstecher ins Tulip, vielleicht morgen. Im Augenblick ist Hennes wieder im Daycare, während wir Lernen, Montag ist Himmelfahrt des Propheten und also weder Schule noch Kindergarten. Habe mich entschlossen, die nächsten Lektionen zu überspringen bzw. alleine zu lernen (Bei “Am Telefon” und “Beim Arzt” reicht es ja auch, wenn es einer von uns kann) und nächste Woche in die Welt der Prä- und Suffixe einzutauchen, gestern hatte ich Gefühle, war auch interessant, wird besonders für Susanne dann auch. Also das Thema, meine ich jetzt, ansonsten habe ich natürlich keine Gefühle, bin ja ein Mann, also eher so was wie ein Schrank oder Tisch.Borobodur 009

Gar nicht mal so langsam, diese Verbindung, kann endlich wieder viele Browserfenster gleichzeitig öffnen und vielleicht auch mal wieder ein bisschen zum Spass surfen. Und deutsche Zeitungen lesen. Auch scheint es Neuigkeiten aus Jakarta zu geben, wenn auch keine sehr schönen. Aber im Ritz bin ich ohnehin eher selten anzutreffen. In einer Laptoptasche… Die Sicherheitsschleuse hat gepiept und der Security-Mann hatte gefragt; “Ist das ein Laptop”?  Dem Tourismus dürften die Bomben allerdings kaum helfen. Unschön, das alles.

Als ich gestern mit Kleinmann während Susannes Badeanzugkauf die Buchhandlung unsicher machte, musste ich hart kämpfen, um nicht einen Tim und Struppi auf Indonesisch mitzunehmen, schade, dass wir nochmal fliegen müssen und unser Gepäck bereits so angeschwollen ist. Bücher sind allerdings so teuer, dass ich diesbezüglich nicht in Versuchung gerate, muss also mein Bibliothekskontingent noch ausschöpfen, solange es geht. Müssen wir nachher nochmal ins Milas, dort wollten wir eh noch ein Foto abgeben. Oh, am Samstag kommt Tief “Volkhard” nach Göttingen, da dürften sich zwei Leutchen aber freuen… ;-) Bis demnächst. rumah 014

Stille Tage im Klischee

Veröffentlicht in Unterwegs mit den Tags , , , am 16. Juli 2009 von ratso07

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14. Juli. Hoppla, Fehlinformation: Im Reiseführer stand irgendwas von 800.000 Einwohnern für Yogyakarta. Im letzten Jahr waren es allerdings schon acht Millionen. Also werden es wohl etwas mehr als eine Million Mofas sein, die hier rumfahren. Eher sechs. Kein Wunder, dass man während der morgendlichen Busfahrt locker die jährliche Dosis von Göttingens Feinstaub einatmet. Dafür darf man meistens rauchen im Bus… Und der Husten ist trotzdem wieder besser geworden.

Am Wochenende waren wir zum ersten Mal mit einem Becak unterwegs, praktischerweise mit dem Mann einer Bekannten und haben uns den Vogelmarkt angesehen. Geckos, Wildkatzen, allerlei Federtier, auch bunt gefärbte Küken, Fisch in tot und auch lebendig konnte man dort erstehen. Den “Feuerspuck” (Hennes) werden wir uns diesmal wohl doch nicht anschauen, die Tour wäre doch etwas heftig mit Kleinmann. Ein andermal.

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Das Fest in der Schule war ganz schön, lecker essen, traditionelle Kostüme (Ich Bali, Susanne Java, Hennes Sumatra) und die Lehrer haben eine selbstgeschriebene Oper aufgeführt. Einlagen der Schüler gab es auch, gegen zehn fuhren wir mit einem ohnmächtigen Zwerg im Taxi nach Hause. Heute war ein schwarzer Tag, die Vertreibung aus dem Paradies sozusagen. Wir mussten unsere Oase, unser absolutes Luxushaus verlassen – die Besitzer kehren zurück. Nix mehr mit Dachterrasse, Kühlschrank, Küche und den leckeren Tempe Goreng von Ibu Har. Naja, wenigstens keine Hähne mehr vorm Schlafzimmerfenster. Und kein Nachbar, der (mit immerhin 86 Jahren( jeden Morgen ab 5 Uhr Holz hackt und Steine klopft.

rumah 068

Jetzt hocken wir in einem etwas ranzigen Losmen gleich um die Ecke und sind bedröppelt. Billig zwar, aber auch ein ziemlicher Abstieg. Naja, ist ja nur für zehn Tage. Dann müssen wir, weil derzeit Horden von Touristen, zumeist Australier und Niederländer (zum ersten Mal einen Holländer ohne Wohnwagen gesehen…) in die Stadt eingefallen sind und alles teuer und oder ausgebucht ist, ohnehin nochmal umziehen.

Flüge nach Kuala Lumpur sind gebucht, mal schauen, wie lange wir dort brauchen, bis zum 7. August müssen wir aber ohnehin wegen einer Lieferung in dem Moloch Jakarta ausharren, und wie oft und wann die Schiffe dann dort ablegen ist von hier aus anscheinend nicht herauszukriegen. Die letzten fünf Nächte in Yogya geht es dann in das Hotel mit Swimmingpool (Dort haben sie auch ein VIP-Zimmer – in dem man aber nicht mit Kindern übernachten darf…) Am Wochenende stolperte ich in der Jakarta Post übrigens über eine kleine Meldung aus der Heimat: Demnach hat ein betrunkener Dachs dort nach dem Genuss verdorbener Kirschen für einiges Aufsehen gesorgt – direkt in meiner alten Heimatstadt Goslar. Kleine Welt…

Bin gespannt, wie die Nacht wird: Haben im Zimmer das Zelt aufgebaut, da kein Moskitonetz, Bett ist glücklicherweise kleiner als das vorige, so dass es passt. Wird bloß etwas eng, da Hennes gerne quer im Bett schläft. Ist ja auch ein Querkopf zuweilen.

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In der Rezeption riecht es seltsam. Irgendwie nach, naja besser nicht drüber nachdenken. Haben aber auf unserer bisherigen Zimmersuche schon einige echt üble Quartiere gesehen. Fast möchte man froh über die Kakerlaken sein, dann überlebt wenigsten etwas dort. Der Hit war der Swimmingpool mit einer irgendwie schwarzgrünen trüben stinkenden Brühe darin, OK, ich höre ja schon auf… Ansonsten sind wir wieder gesund, die einheimischen Kräutertränke scheinen hilfreich zu sein (Nein, es ist kein Alkohol drin, wir sind hier bei Moslems). In dem mit gelangweilten Weißnasen gefüllten Backpackertreff, wo das Essen gar nicht so gut ist, wie man gedacht hatte und indem ich nicht ans Internet komme, bieten sie Raftingtouren an. Bin ja doch am Überlegen. Freitag schauen wir uns vielleicht dort ein Jazzkonzert an und treffen Elliot, die molukkisch-holländische Kampfkugel, was unser lieber Nachbar gewesen ist, noch einmal. Ansonsten bin ich auch allmählich durch mit dieser Stadt, so schön es hier ist, aber das tägliche Einerlei mit Lernenpopernen und Hennes von Zerstörungsorgien abhalten, stumpft etwas ab.

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Dafür bin ich sprachlich doch schon recht versiert (habe neulich vier verschiedene Wörter gelernt, die man jeweils nur unter ganz bestimmten Bedingungen verwenden kann und die auf Deutsch alle mit dem Wort “während” übersetzt werden müssten), sodass ich dem Straßenmusiker im Bus vorgestern einen recht komplexen mit allerlei Konjunktionen versehenen sehr langen Satz entgegnen konnte, der all unsere Pläne für die nächsten Wochen beinhaltete und in der Aussage gipfelte “…und dann fahren wir für eine Stunde nach Sumatra”. Naja, falsches Wort halt, merkte ich aber erst, als der Bus schon einige Kilometer weiter war. Einige Wörter sind aber auch sehr ähnlich. Susanne erzählte dafür neulich sowas wie “Gestern habe ich nur gelernt. Und Kartoffel ich früh aufgestanden.” Nunja, ganz so unkompliziert ist die Sprache dann wohl doch nicht, vermutlich haben sich die Indonesier irgendwann gesagt: “Verdammt, unsere Sprache ist zu einfach. Nehmen wir doch einfach noch ein paar sehr ähnlich klingende Worte und viele verschiedene Bedeutungen für ein und dasselbe Wort dazu.” Und so geschah es…

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Über Wortstämme und Imperative will ich denn auch schweigen, bin ohnehin am Überlegen, ob ich in Padang Bahasa Minang auch noch lernen soll, Indonesisch werden die ja wohl verstehen dort, und wenn nicht, habe ich ja eine Dolmetscherin. Und was mir an Vokabeln fehlt, mache ich durch Enthusiasmus wett. Verdammt, wo ist eigentlich die Gitarre? Hennes erste Worte heute abend, als wir hier eintrafen waren übrigens “Und wo ist unsere Küche? Ich habe Hunger!” Und das, nachdem er in den letzten Wochen abends nie was essen wollte. Das wird sicher lustig. Meine Trekkingsandalen habe ich auch vergessen. Ist aber ja gleich um die Ecke, kann man nochmal hingehen und trauern. Einen neuen Präsidenten haben sie hier auch gewählt. Es ist der alte. Horst Köhler wieder. Mit Stimmenauszählen werden sie zwar erst in zehn Tagen fertig sein, aber das muss ja nix heißen. Laut Hochrechnungen hatte er schließlich 60 Prozent. Das soll Frank Merkel erstmal nachmachen. Oder hieß er Walter? Egal. Morgen muss ich doch mal wieder ans Netz. Bis dann…

15. Juni. Wieder nicht ans Netz gekommen. Mussten erstmal Reiniger und Duftkram kaufen, damit wir nicht in unserem neuen Badezimmer erstinken. Müssen hier schließlich noch eine Weile ausharren, da alles andere ausgebucht oder von unterirdischer Qualität ist. Heute morgen haben wir (Ausflug mit Lehrerin) die Tempelanlage Borobudur besucht sehr eindrucksvoll, war aber unmenschlich heiß und von Menschenmassen umlagert.

Borobodur 019

Und davor warfen sich einem verzweifelte Souvenirverkäufer in den Weg. War nicht so der Riesenspaß mit dem Kleinen.

Heute habe ich eine handtellergroße Heuschrecke im Bus getroffen und einige Kakerlaken scheinen im gleichen Restaurant wie wir gern essen zu gehen (“Tante Lies” lautet der Name des Restaurants und fairerweise muss man sagen, dass der Kakerlak nicht in der Küche zu wohnen schien, sondern aus einer riesigen Spalte im Trottoir hervorkroch. Die Straßen und besonders die Bürgersteige sind ohnehin in einem erbärmlichen Zustand – alle paar Meter gibt es Spalten, Löcher und aufgerissene Hohlräume, in denen, wenn er nicht aufpasst, ein ausgewachsener Mensch zu Gänze verschwinden kann.) Gleich werden wir noch Essengehen und irgendwann müssen wir eigentlich auch noch Hausaufgaben machen. Von Vokabelnlernen ganz zu schweigen. Und die Luft steht, die Mücken wetzen ihre Stacheln und Hennes übt sich in Ausbrüchen von Berserkerwut…

Borobodur 032

Das Gegenteil von Schachtel?

Veröffentlicht in Unterwegs mit den Tags , , am 7. Juli 2009 von ratso07

Strand 3067. Juli. Super. Ich habe es noch und Susanne jetzt auch. Die Hitze, der Staub und die Abgase von einer Million Mofas gehen doch etwas auf die Atemwege und verursachen schnell die hier übliche Sommergrippe. Unser zeitweiliger Mitbewohner Jay, seines Zeichens Taschendesigner aus Südkorea, hat die Seuche noch mit ins Flugzeug nach Atlanta genommen (ein 30-Stunden-Ritt) und machte sich Sorgen, ob er das bei der Einreise melden sollte. Besser nicht. “Was sollte ich tun, Officer? Da kam dieser Asiate mit diesem Husten auf mich zu – Ich musste schießen…” Gestern abend versucht, aus meinem Vokabular unsinnige und seltsame Sätze zu bilden (“Ich suche eine dicke Frau”), viel gelacht, könnte aber auch Fieber gewesen sein. Man weiß es nicht, schwitzt sowieso. Morgen wird gewählt, d.h. Kindergarten und Schule fallen aus, sodass wir also siech herumliegen und uns von Hennes den Rest geben lassen können. Vorgestern starke Agressionsschübe, als wir feststellten, dass nicht der Arbeitgeber endlich Geld überwiesen hatte, sondern Susannes Mutter. Musste sehr aufpassen, dass ich nicht dem 500. Becakfahrer, der mich in eine Batikausstellung schleppen wollte, einen Gruss von Mutter Faust und ihren fünf Töchtern ausrichte. Auch Susanne ist bereits leicht reizbar: Da wirklich jeder Mensch meint, Hennes ins Gesicht fassen zu müssen und dieser davon ziemlich gernervt ist, bat sie den Geldkassierer im Bus, das doch zu lassen, da Hennes dies nicht mag. Worauf er grinste und ihm gleich nochmal ins Gesicht griff. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Susanne sich bereitmachte, nun ihn dafür ins Gesicht zu kneifen. Um interkulturelle Komplikationen zu vermeiden, beförderte ich also den Kassierer schnell mit einem berherzten Tritt aus dem fahrenden Buss. Hat aber keiner gemerkt, da es bereits dunkel war und uns zugleich den Fahrpreis erspart…

Kiddos 015

Interessant ist, dass die Indonesier dreimal täglich Reis essen und wenn sie keinen Reis dazu hatten, dann eben nicht gegessen haben. Hat also ein Indonesier zum Frühstück drei Hähnchen auf Toast verspeist, wird er trotzdem zu Recht behaupten, nicht gefrühstückt zu haben, da ja kein Reis dabei war. Heute habe ich gelernt, dass es hier eine Art Aberglauben gibt, dass man am Strand nicht mit einem grünen T-Shirt baden darf, weil sonst, nunja, irgendwas mit der Königin und der Strömung, genau habe ich es nicht verstanden. Strand 232

Als wir uns vorgestern auf der Malioboro mit Batikkleidungsstücken eindeckten, kam mir ein junger Mann, vielleicht Anfang 20 entgegen, blind und mit einem Kassettenrekorder um den Hals. Zur Musik begann er zu singen und das mit einer derart wunderschönen Stimme, dass die Situation mich dermaßen überwältigte, sodass ich auf der Straße in Tränen auszubrechen drohte, wäre nicht Hennes dem Mann folgend tanzend im Menschengewühl verschwunden. Also hinterher. Wie auch bereits vorher fiel mir dabei auf, dass die Menschen hier denen, denen es nicht so gut geht, recht bereitwillig Unterstützung geben, auch den Straßenmusikern (,die nun wirklich auf der Straße leben,) gibt eigentlich immer irgendjemand etwas. Gibt eben kein staatliches System für diese Leute, sodass die Zivilgesellschaft einspringen muss. Bei uns wartet man in der U-Bahn ja eigentlich nur darauf, dass der Typ mit der Obdachlosenzeitung endlich wieder aussteigt. Neulich war ein Trupp mir bislang unbekannter Kinder in der Nachbarschaft zu Besuch, wohl auf einem Familienfest. Hennes zog wie üblich auch dort seine Kreise, als er wiederkam, war sein Kopf bis in die Kopfhaut hinein verdreckt – die müssen versucht haben, ihm mit Dreck die blonden Haare schwarz zu färben, hat ein Weilchen gedauert, das rauszuschrubben. OK, das soll es fürs erste gewesen sein, am Freitag ist ein Schulfest mit Motto “Sumatra” und die Schüler sollen, wenn ich recht gehört habe, irgendwas vortragen. Nächste Woche müssen wir ein neues Quartier beziehen (gleich um die Ecke ist ein Hotel mit Swimmingpool, ist aber, da hier gerade Ferienzeit ist, leider sehr teuer) und eine gigantische Tempelanlage besichtigen. Und die Grippe loswerden. Und schickt bitte kein Geld. Das müssen andere tun. Und es wäre besser für sie, wenn sie es auch bald täten. Andererseits könnte ich auch bald mal wieder was Anderes als Reis essen. Selbst wenn es das Ohr von jemandem sein sollte…

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PS: Gestern 31 Besucher hier. Und Mails für die Abendlektüre. Dankeschön! :)

Hatschi!

Veröffentlicht in Unterwegs mit den Tags , , am 4. Juli 2009 von ratso07

Kids 014

5. Juli. Mich hat’s erwischt. Erst ein fieser trockener Husten (gegen Asthma soll übrigens ein Pulver aus dem Kollegen da oben helfen…) , dann eine furchtbare Nacht mit Würfelhusten und eitrigen Sekreten, die mir aus dem Kopf herausliefen, dazu höllische Kopfschmerzen und Juckreiz überall. Freitag zu Hause geblieben, mittlerweile ist es etwas besser geworden. Also heute Hennes zum Kindergarten und wir in die Schule, um ungestört Organisatorisches zu erledigen. Mist, jetzt werde ich Susanne doch nicht so schnell einholen können. Problem ist immer noch, dass ich zwar schon gut sprechen kann, die Leute aber denken, dass ich dann wohl auch die Antworten verstehen könnte. Pelan-Pelan… Und ganz so einfach ist die Sprache dann doch nicht, etliche Wörter haben viele verschiedene Bedeutungen und in die Welt der Suf- und Präfixe bin ich gerade erst kurz eingetaucht. Gut merken lässt sich “masak” (kochen), wobei, wenn Ibu Har weiter Bohnen in jede Mahlzeit schmuggelt, brauche ich wahrscheinlich gar nicht mehr Bus zu fahren, weil ich bald meinen eigenen Antrieb zünden könnte. Die Soloausflüge von Hennes erstrecken sich jetzt schon über recht weite Strecken, bislang ist er aber immer noch zurück gekommen. Und mittlerweile kennen ihn auch alle und die Kinder können auch schon alle “Hennes: Nein!” sagen. Neulich saß ich auf dem Pott, neben mir Hennes in der “Wanne” mit der Kelle, der mich nassspritzen wollte. “Hennes, nicht spritzen bitte!” Hennes treuherzig: “Ich will nur ein Foto machen.” “Ach, wie geht das denn?” “Platsch.” OK, hätte ich mir eigentlich auch denken können… Ansonsten alles prima, eine Steurrückzahlung hilft uns erstmal weiter, Hennes teilt auch mal, nur beim Fußballspielen will er immer die Pfosten abbauen und den Ball alleine für sich behalten. Aber das wird schon noch, erste Indonesischkenntnisse hat er auch schon erworben und vielleicht wird er auch bald stubenrein. So, mal gucken, ob es Mail gibt, oder jemand auf dem Blog war, ansonsten mache ich erstmal Pause, in D. scheinen auch Ferien zu sein. Vor ein paar Tagen ging ich an einem Friseursalon vorbei und junge Dinger riefen mir anzügliche Bermerkungen zu. Ich glaube aber, sie wollten gar nicht mich, sondern nur meine Haare…

Kiddos 030